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Tiere reagieren trotz genetischer Nähe zu uns völlig anders – Studien belegen, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung sich nur in 0,3% der Fälle auf Menschen übertragen lassen (1)! Deswegen brauchen wir den Systemwechsel hin zu einer Forschung, die den Menschen im Fokus hat.

Lesen Sie hier mehr zu Fakten und Studien, die belegen, dass Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar sind.

Fakten

2017 starben in Deutschland 2,82 Millionen Versuchstiere (2).
In dieser Zahl werden nicht eingerechnet: alle wirbellosen Tiere (wie bspw. Heuschrecken, Würmer, Krebse, usw.), sowie „Überschuss“tiere der Gentechnik und alle Tiere, die bei Zucht, Transport und Vorratshaltung litten und starben.
Seit 2017 wird die offizielle Statistik geschönt: 740.000 zu wissenschaftlichen Zwecken getötete Tiere werden aus weiteren Statistiken herausgerechnet – so kommt man auf 2.068.000 Tiere.

Abb. 1: Tierversuche - nach Anwendungszweck. Quelle BMEL 2018 (2)

Gut die Hälfte der Tierversuche (44%) werden in der Grundlagenforschung durchgeführt (2).

Was ist Grundlagenforschung?
Grundlagenforschung dient der Vermehrung des naturwissenschaftlichen und medizinischen Wissens ohne direkte  Anwendungsmöglichkeiten, aber eben  nicht der Heilung oder Gesundheit des Menschen. Es ist reine "Neugierforschung".

Rechtfertigung der Tierversuchslobby:

Zusammenhänge in Organismen verstehen, um bessere Therapien zu entwickeln. Aber eine Studie belegt, dass nur 0,3% der Ergebnisse aus Tierversuchen aus der Grundlagenforschung auf den Menschen übertragbar sind (1).

99,7% der Ergebnisse sind nicht übertragbar!

Kein Wunder, schließlich ist der Mensch keine Maus oder Ratte und auch kein Affe. Trotz hoher genetischer Übereinstimmung gibt es erhebliche Unterschiede in:  Genregulation, Körperbau, Organfunktion, Stoffwechsel, Ernährung, Psyche und Lebensweise.

Bei der angewandten Forschung (Anteil von ca. 15%), unter die auch die Medikamentenentwicklung für Menschen fällt, sieht es kaum besser aus. Ein paar beeindruckend-erschreckende Zahlen:

  • 95%*) der im Tierversuch als heilend und sicher befundenen Substanzen werden nicht als Medikament zugelassen (3).
  • 43% der Nebenwirkungen lassen sich durch Maus- und Rattenmodelle im Tierversuch vorhersagen (4).
  • Schwere Nebenwirkungen:  19% (5).
  • 600 Schlaganfall-Medikamente im Tierversuch wirksam, bei Menschen wirkte kein einziges (6).
  • 400 Therapie-Methoden an „Alzheimer-Mäusen“ getestet, keine einzige hilft beim Menschen (7).
  • 58.000 Todesfälle pro Jahr durch Medikamenten-Nebenwirkungen (8,9).

*)In nachfolgender Grafik sieht man einmal, wie ein Medikament entwickelt wird: die Vorauswahl findet über Datenbanken-Screening statt, dort suchen die Wissenschaftler nach vielversprechenden Substanzen. Haben sie hier welche gefunden, werden diese zunächst im Labor mit in vitro-Methoden getestet. Substanzen, die ebenfalls dort vielversprechend sind, werden dann in der vorklinischen Phase im Tierversuch getestet. Die Substanzen, die im Tier keine Nebenwirkungen verursachen und die Symptome verbessern, werden dann in den klinischen Phasen am Menschen getestet. Ganze 95% der Substanzen erreichen nie die Marktreife – hauptsächlich deswegen, weil sie nicht wirken oder schwere Nebenwirkungen verursachen. 1/3 der Substanzen werden nach Zulassung wieder vom Markt genommen oder mit dem schwarzen Dreieck versehen – diese stehen unter besonderer Beobachtung.

Abb. 2: Ablauf Medikamentenentwicklung

Anhand dieser Grafik kann man auch sehr gut erkennen, dass Medikamentenfindung nicht durch den Tierversuch erfolgt – die potentiell wirksamen Substanzen werden im Schritt vorher gefunden und identifiziert. Die Panikmache der Tierversuchslobby, dass wir ohne Tierversuche keine Medikamente mehr hätten, ist daher eine falsche Aussage!

95% Fehlerquote ist nicht akzeptabel – durch den Tierversuch wird eine falsche Sicherheit und falsche Vorhersagekraft vorgetäuscht! Zudem gibt es eine hohe Dunkelziffer an potentiell wirksamen Substanzen, die beim Menschen vielleicht einen hohen therapeutischen Nutzen gehabt hätten, die aber aufgrund der Tierversuche vorzeitig aussortiert wurden. Wer weiß, wie viele Therapien daher nicht entwickelt werden konnten, weil sich Forscher auf irreführende Ergebnisse aus Tierversuchen verlassen haben.

Abb. 3: Grafik aus Broschüre - Hinschauen

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Beispielen – es gibt noch viel mehr.

Dazu kommt, dass im falschen Organismus geforscht wird – und dieser auch noch künstlich „krank“ gemacht wird. Viele Tiere können natürlicherweise gar nicht die Krankheiten entwickeln, an denen Menschen erkranken, wie Alzheimer oder Parkinson.

Es werden also künstlich Symptome erzeugt, die den Krankheitssymptomen bei Menschen ähneln. Hier eine Auswahl der fragwürdigen „Modell-Erzeugung“:

Abb. 4: Auszug aus Broschüre - Hinschauen.

Diese ganzen Punkte zusammengenommen zeigen mehr als deutlich, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar sind. Ganz im Gegenteil: sie täuschen eine falsche Sicherheit vor und behindern so den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt durch falsche Ergebnisse.

Deswegen ist es so wichtig, die wissenschaftlichen humanbasierten Methoden zu nutzen und zu fördern, welche im richtigen Organismus - dem Menschen - ansetzen und bereits zum heutigen Zeitpunkt verlässlichere Ergebnisse bringen.

Wir benötigen daher JETZT einen Ausstiegsplan! 


23.01.2020 
Dipl.-Biologin Julia Radzwill

Literatur

  1. Lindl T et al. Tierversuche in der biomedizinischen Forschung - Eine Bestandsaufnahme der klinischen Relevanz von genehmigten  Tierversuchsvorhaben: Nach 10 Jahren keine Umsetzung in der   Humanmedizin nachweisbar. ALTEX 2005; 22(3):143-151
  2. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2018 https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/Versuchstierzahlen2018.html [aufgerufen am 23.01.2020]
  3. Arrowsmith J. A decade of change. Nature Reviews Drug Discovery 2012; 18(11)
  4. Olson H et al. Concordance of the Toxicity of Pharmaceuticals in Humans and in Animals. Regulatory Toxicology and Pharmacology 2000; 32(1), 56–67
  5. van Meer P et al. The ability of animal studies to detect serious post marketing adverse events is limited. Regulatory Toxicology and Pharmacology 2012; 64:345-349
  6. van der Worp B et al. Can Animal Models of Disease Reliably Inform Human Studies? PLoS Medicine 2010; 7(3): e1000245
  7. Bennett DA. Lack of Benefit With Idalopir-dine for Alzheimer Disease: Another Therapeutic Failure in a Complex Disease Process. JAMA 2018; 319(2):123–5
  8. Ebbesen J et al  Drug related deaths in a department of internal medicine. American Medical Association 2001; 161:2317-2323
  9. Schnurrer JU, Frölich JC. Zur Häufigkeit und Vermeidbarkeit von tödlichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Internist 2003; 44:889–895