29.01.2020

Ausstieg aus dem Tierversuch – JETZT! Startschuss einer neuen Kampagne vor dem BMEL in Berlin - Übergabe von 52.000 Unterschriften


Es ist eine Kampagne, die Öffentlichkeit und Politik in den nächsten Jahren beschäftigen wird: der Ausstieg aus dem Tierversuch. Mit einer medienwirksamen Aktion starteten 13 Tierschutz- und Tierversuchsgegnervereine vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) heute die Kampagne „Ausstieg aus dem Tierversuch! JETZT!“. Kernstück ist die Forderung einer umgehenden Entwicklung eines Ausstiegskonzeptes.

Vertreter der federführenden Organisatoren Ärzte gegen Tierversuche und Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner sowie einige der Kampagnen-Unterstützer positionierten sich vor dem BMEL in Berlin mit Bannern und Schildern. 

Außerdem wurden die ersten 52.000 Unterschriften einer bereits seit einem Jahr laufenden Petition an den Pförtner des BMEL gegeben, zusammen mit einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, in dem die zentralen Argumente und Forderungen aufgeführt sind. Auch auf mehrfache Nachfrage war niemand aus dem Ministerium bereit, die Dokumente persönlich in Empfang zu nehmen.

„Seit einigen Jahren erlebt die tierfreie Forschung einen unglaublichen Aufschwung. Mit der Stammzell-Rückprogrammierung, wofür es 2012 den Nobelpreis gab, wurde die Züchtung von Mini-Organen im Labor möglich – basierend auf menschlichen Zellen!“, erläutert Carolin Spicher, Biologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesverband. Trotz einer völlig unzureichenden Förderquote von unter 1 % im Vergleich zu Tierversuchen, auf die über 99 % der staatlichen Gelder entfallen, hat sich die tierversuchsfreie Forschung in den letzten Jahren rasant entwickelt.
„Tiere reagieren trotz genetischer Nähe zu uns völlig anders – Studien belegen, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung sich nur in 0,3% der Fälle auf Menschen übertragen lassen! Deswegen brauchen wir den Systemwechsel hin zu einer tierfreien, humanspezifischen Forschung, die den Menschen im Fokus und zudem als Basis hat“, fordert Spicher. 

Von den EU-Ländern haben die Niederlande als erste das Problem in Angriff genommen und bereits 2016 einen systematischen Abbauplan vorgelegt, der konkrete Maßnahmen umfasst, wie ein schrittweiser Ausstieg aus dem System Tierversuch gelingen kann. Die Tierversuchsgegner fordern von der deutschen Bundesregierung nun ebenfalls, einen konkreten Masterplan vorzulegen und umzusetzen. Das Wichtigste dabei sind konkrete Zielvereinbarungen, Ausstiegsdaten und ein Monitoring-System. Sofortverbote müssen für bestimmte Bereiche erlassen werden, wie Tierversuche für Haushaltsprodukte und mit Schweregrad „schwer“ sowie Tierverbrauch im Studium. Gelder für die Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren müssen durch Umschichtung drastisch erhöht und deren Anerkennung und Anwendung aktiv unterstützt und beschleunigt werden.

„Medizinische Forschung im 21. Jahrhundert darf nicht länger an der altertümlichen Methode Tierversuch festhalten, sondern muss auf tierleidfreie, humanrelevante Systeme umschwenken!“, sind sich alle Kampagnenbeteiligte einig. Dies sei zudem eine Notwendigkeit, um dem Forschungsstandort Deutschland eine Spitzenposition zu sichern.

Fotos zur freien Verfügung (mehr Fotos auf Facebook):
v.li.: Dr. Corina Gericke (Ärzte gegen Tierversuche e.V.) und Christina Ledermann (Vorsitzende Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.)